Exponat der Woche

Feuermusik auf der Wasserorgel


Der spielbare Nachbau einer römischen Orgel im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz geht auf einen Originalfund aus Aquincum/Budapest zurück. Laut zugehöriger Inschrift stiftete sie 228 n. Chr. der Stadtrat Caius Iulius Viatorinus, Chef der städtischen Feuerwehr (praefectus collegii centonariorum) und vormals Leiter des Ordnungsamtes (aedilicius), der Feuerwehr. Im Schutt des abgebrannten (!) Feuerwehrvereinshauses blieben die Metallteile fast vollständig erhalten.

Dieser Fund ermöglichte erstmals die praktische Umsetzung des von Heron von Alexandria und Vitruv beschriebenen Funktionsprinzips: Durch ein bis zwei Pumpen mit Rückschlagventil(en) leitet man Luft in einen Metallbehälter (pnigeus), der wie ein umgestülpter Trichter in einem offenen, mit Wasser gefüllten Bassin eingetaucht ist. Die komprimierte Luft kann von hier einerseits direkt zu den Registern entströmen, andererseits verdrängt sie das Wasser im Trichter, wodurch es im Bassin ansteigt. Bei der Abwärtsbewegung des Pumpenkolbens kann das Wasser in den Trichter bis zum Ausgleich des Wasserspiegels zurückströmen und vor dem nächsten Einpumpen die überschüssige Luft im Trichter in die Register drücken. Dadurch sorgt das Wassers für einen gleichmäßigen Luftdruck, der eine konstante Lautstärke garantiert.

Das hydraulische System gab dem Instrument seinen Namen: hydraulis oder in unserer Inschrift kurz hydra. Mosaike und Reliefs zeigen Orgelspieler zusammen mit Bläsern. Die Orgel diente in der Antike der Unterhaltung, z. B. im Amphitheater, nicht der religiösen Erbauung.

Exponat des Römisch-Germanischen Zetralmuseums

Römisch-Germanisches Zentralmuseum in Mainz

Schon immer nutzten unsere Ahnen natürliche Energien wie Wind, Wasser und die eigene Muskelkraft. Im Wissenschaftsjahr Energie zeichnet das Römisch-Germanische Zentralmuseum archäologische Objekte aus, die in der Geschichte der Energienutzung eine bedeutende Rolle spielen. >>

Wissenschaftsjahr 2010