Exponat der Woche

Die Steinsäge – Wasser bändigt Stein


Seit der Zeit um Christi Geburt wurden im römischen Reich Wandverkleidungen oder Bodenbeläge aus gesägten Marmorplatten immer beliebter. Zunächst wurden diese Platten zeitaufwändig von Hand gesägt. Wegen des schnell wachsenden Bedarfs wurde jedoch mit der Zeit nach einer Alternative zur Handsägerei gesucht. Diese fand sich spätestens im 3. Jahrhundert mit Anwendung der Wasserkraft.

Eine in Ephesos vergrabene byzantinische Steinsägemaschine wurde um 600 n. Chr. betrieben. Aufgrund der gefundenen Sägestücke, des Gerinnes und der Pfostenlöcher sowie weiterer Details ist die Rekonstruktion der Maschine möglich. Diese Maschine wurde vom Forschungsbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte (VAT) des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) als Funktionsmodell im Maßstab 1:1 nachgebaut. Angetrieben wurde die Maschine über ein gut drei Meter durchmessendes Wasserrad, welches eine Leistung von gut einem kW erzeugte und über Schubstangen die zwei Sägerahmen in Bewegung setzte. Für den Sägevorgang benötigte man Schleifsand und Wasser. Wasser wurde beim Original über zwei Rinnen automatisch zugeführt, der Sand musste von Hand beigegeben werden. Nach mehreren Versuchstagen zeigte sich, dass die Sägemaschine bestens funktionierte. Sie war bis zu zwölf Mal effektiver als die Handsägerei. Der Einsatz der kostenfrei im Wasser steckenden Energie zahlte sich also aus.

Die Abbildung zeigt die arbeitende Säge mit ihrem Wasserrad. Die beiden Sägerahmen sind mit Kontergewichten an einer Galgenkonstruktion aufgehängt. Während die für den Schnitt notwendige Wasserzufuhr automatisch erfolgt, muss ein Arbeiter kontinuierlich Wasser beigeben.

Exponat des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz

Römisch-Germanisches Zentralmuseum in Mainz

Schon immer nutzten unsere Ahnen natürliche Energien wie Wind, Wasser und die eigene Muskelkraft. Im Wissenschaftsjahr Energie zeichnet das Römisch-Germanische Zentralmuseum archäologische Objekte aus, die in der Geschichte der Energienutzung eine bedeutende Rolle spielen. >>

Wissenschaftsjahr 2010